Links überspringen

Stage 3

Raum der Erinnerungen

Hier schlägt Tirol im Takt des Jahres. Menschen, Bräuche, Musik und Geschichten verweben sich zu einem gemeinsamen Gedächtnis. Was Familien erzählen, was Dörfer bewahren, was Generationen weitergeben. Von der Magie der Fasnacht und dem Klang schwerer Schellen über die Stille der Karwoche und das Leuchten der Osterfeuer. Von Blasmusik und Schützen, von Bergfeuern und Herz Jesu. Von Sommerbühnen unter freiem Himmel bis zum Heimkehren im Herbst mit Almabtrieb und Törggelen in Südtirol. Am Ende die stillen Nächte von Weihnachten.

Dieser Raum macht spürbar, wie Erinnerung entsteht. Aus Gesten, Klängen, Düften und gemeinsamer Zeit. Aus Dankbarkeit, Ehrfurcht, Verantwortung und Stolz. Was gestern war, wird heute lebendig und wird morgen weitererzählt.

In Raum 3 erleben die Besucher:innen die Traditionen Tirols auf eine völlig neue Art und Weise

Tiroler Fasnacht
Die großen Fasnachtsbräuche in Tirol liegen alle zwischen Dreikönig und Aschermittwoch und gelten als lebendes Kulturerbe. Das Imster Schemenlaufen steht seit 2012 auf der UNESCO‑Welterbeliste, zeigt 26 Maskentypen und findet alle vier Jahre am Fasnachtssonntag statt; der nächste Lauf ist fix für 13. Februar 2028 eingeplant. Hauptfiguren Roller & Scheller tragen bis zu 35‑Kilo‑Bells und tanzen nach strengem Drehbuch. In Nassereith steigt das Schellerlaufen alle drei Jahre – nächster Termin 1. Februar 2026 – und ist seit 2012 im nationalen UNESCO‑Verzeichnis. Das Schleicherlaufen in Telfs, national gelistet seit 2010, läuft im Fünf‑Jahres‑Rhythmus; die letzte Ausgabe war am 2. Februar 2025 mit rund 500 Maskierten.

Im Oberland zieht das Fisser Blochziehen (UNESCO‑Eintrag 2011) alle vier Jahre einen 35‑Meter‑Zirbenstamm durchs Dorf; über 300 Männer sind am 25. Jänner 2026 wieder im Einsatz. In Axams wird das Wampelerreiten jedes Jahr am Unsinnigen Donnerstag ausgetragen; die Großparade kommt nur alle vier Jahre, das Brauchbild steht seit 2016 im nationalen Register.
Rund um Innsbruck pflegen die MARTHA‑Dörfer (Mühlau, Arzl, Rum, Thaur, Absam) das Mullen/Mullerlaufen. Kleine „Maschgara“-Auftritte gibt’s jährlich, doch der große Umzug rotiert alle vier bis fünf Jahre durchs jeweilige Gastgeberdorf (Thaur zuletzt 2018). Auch dieses Brauchpaket ist seit 2011 in der nationalen UNESCO‑Liste verankert. Unterm Strich stimmen damit alle Kerndaten: Zeitfenster, Turnus, UNESCO‑Status, nächste Termine und die charakteristischen Elemente jeder Fasnacht.

Ostern
In Tirol spannt sich der Osterbogen von der Fastensuppe am Aschermittwoch bis zum Emmausgang am Ostermontag. Am Palmsonntag tragen Mädchen farbig gebundene Palmbuschen und Buben meterhohe Palmlatten durch die Prozession; in Imst misst die Siegerlatte oft über 30 Meter, und wer verschläft, gilt als „Palmesel“. Gründonnerstag bringt „G’rissene“ – alles frische Grün von Spinat bis Kräutern – ehe ab Karfreitag die Kirchenglocken verstummen und Kinder mit hölzernen Ratschen den Angelus ersetzen, ein Brauch, der von Österreich in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen wurde.

Ein stilles Kernstück der Fastenzeit ist die Fastenkrippe in der Wallfahrtskirche Götzens. Das über 200 Jahre alte Ensemble besteht aus mehr als 250 handbemalten Papierfiguren des Drechslermeisters Georg Haller (1771 – 1838) und zeigt in 35 Szenen den gesamten Leidensweg Christi – vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung. Seit 1912 wird die Schau jedes Jahr von Aschermittwoch bis nach der Karwoche aufgestellt und gilt als die bedeutendste Passionskrippe Tirols.

Am Karsamstag lodern – sofern die Waldbrandgefahr es zulässt – im Zillertal und anderen Tälern große Osterfeuer, während Paten ihren Schützlingen süßen Osterzopf oder Kuchenlämmer backen. Nachts versteckt die Familie gefärbte Eier. Am Morgen entscheidet das Eierpecken, wessen Schale am härtesten ist.

Festlich geschmückte „Heilige Gräber“ in Breitenwang, Lienz oder Patsch erinnern parallel an Tod und Auferstehung Christi. Den Abschluss bildet der Ostermontag mit dem Emmausgang – ein langer Spaziergang, der Frühlingsluft und Bewegung zurück in den Feiertagsrhythmus bringt.

Blasmusik und Schützen
Tirols Blasmusikszene ist flächendeckend organisiert: Rund 300 Musikkapellen mit über 15 000 aktiven Musikerinnen und Musikern sind in 19 Bezirksverbänden unter dem Blasmusikverband Tirol vereint. Der Verband wurde 1925 in Schwaz gegründet und feiert 2025 sein 100‑jähriges Bestehen; das Jubiläumsjahr läuft mit Konzerten, einem Landeswertungsspiel in drei Sparten – konzertant, sakral, traditionell – und einer eigenen Fanfare. In jedem Dorf sorgt die Kapelle für den musikalischen Rahmen von Prozessionen bis Feuerwehrfest, Nachwuchsarbeit beginnt in Jugendblasorchestern, das Verbandsmagazin „Blasmusik in Tirol“ verbindet alle Akteure.

Die Tiroler Schützen reichen wesentlich tiefer in die Geschichte: Seit dem Landlibell Kaiser Maximilians I. von 1511 verstehen sie sich als Bürgermiliz zur Landesverteidigung; 1809 kämpften sie am Bergisel. Heute wirkt der Bund der Tiroler Schützenkompanien als Traditions­träger mit klarer Struktur aus Vierteln, Regiments‑ und Bezirks­ebene. Aktuell zählen 235 Kompanien insgesamt 17 151 Mitglieder, darunter über 1 200 Jungschützen. Salutschüsse bei Feiertagen, Fahnenabordnungen bei Trauermärschen und die Pflege der typischen Tracht mit Adlerfahne halten Geschichte sichtbar.

Bläser und Schützen treffen sich auf denselben Bühnen: beim Alpen­region­treffen, bei Prozessionen oder Dorffesten begleiten Kapellen den Aufmarsch der Kompanien, die Marketenderinnen schenken aus, und Jungschützen wie Jungmusikanten lernen Verantwortung im Verein. Gemeinsam prägen sie das Bild vieler Tiroler Feiern – laut, diszipliniert und tief verwurzelt in der Idee, dass Kultur erst dann lebt, wenn ein ganzes Dorf mitmacht.

Bergfeuer
Bergefeuer haben in Tirol eine doppelte Tradition: Am längsten Tag des Jahres – rund um den 21. Juni – lodern Sonnwendfeuer als uraltes Abwehr‑ und Fruchtbarkeitsritual gegen Unheil aller Art; sie sollen Felder kräftigen und Dämonen vertreiben. Der Volksglaube empfiehlt sogar, Hand in Hand über die Glut zu springen, um Liebe und Glück zu besiegeln.

Spektakulär ist das Bergfeuer Ehrwald–Lermoos–Biberwier in der Tiroler Zugspitz Arena: Jedes Jahr zur Sommersonnenwende entfachen mehr als 300 Ehrenamtliche knapp 10 000 Fackeln und legen daraus riesige Motive – von Alpenblume bis Christusmonogramm – an steilen Hängen und Graten. Seit 2010 steht dieser Brauch als „Mountain fires in Tyrol’s Ehrwald Basin“ im österreichischen UNESCO‑Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Die Feuer werden bei Einbruch der Dunkelheit entzündet; bei klarer Sicht tauchen rund 8 000 Besucher den Talkessel in andächtige Stille.

Mindestens ebenso tief verwurzelt sind die Herz‑Jesu‑Feuer: 1796, während der Napoleonischen Bedrohung, vertrauten die Tiroler Landstände ihr Land dem „Heiligsten Herzen Jesu“ an und gelobten, den Schwur jährlich zu erneuern. Seither flammen am Samstag oder Sonntag nach dem Herz‑Jesu‑Fest (19 Tage nach Pfingsten) zahllose brennende Kreuze, Herzen und „INRI“-Schriftzüge auf allen Hauptgipfeln Nord‑, Ost‑ und Südtirols. Die Feuer erinnern an die Signalflammen des Landsturms und sind bis heute sichtbares Symbol für Zusammenhalt und Glauben.

Bühnensommer
Tirol ist ein Land der Volksbühnen: Über 200 eingetragene Amateur‐Ensembles – zusammen gut 10 000 Spielerinnen und Spieler – stemmen jährlich rund 2 000 Aufführungen. Getragen werden sie vom Theater Verband Tirol, der Weiterbildung, Stückgut, Mediathek und den mit 5 000 € dotierten Volksbühnenpreis organisiert. Auf dem Kalender zählt vor allem der Sommer, wenn viele Vereine ins Freie ausweichen und sich in spektakuläre Naturkulissen oder Ortskerne einnisten.

Drei große Spielstätten geben in den warmen Monaten den Takt vor. Tiroler Volksschauspiele (gegründet 1981) füllen Telfs heuer vom 5. Juli bis 16. August 2025: Im Rathaus­­saal läuft die sarkastische Collage „Eine kurze Geschichte der Tiroler Menschheit“, auf dem Eduard‑Wallnöfer‐Platz Kleists „Der zerbrochne Krug“, in der Kuppelarena eine wuchtige Open‑Air‑Version von „Romeo & Julia“; Abschluss bildet die Preisverleihung RUTH 2025.
Im Zillertal setzt das Festival stummer schrei nach seinem 20‑Jahr‑Jubiläum 2024 auf Jahresrhythmus und bringt 2025 Markus Oberrauchs Neuinszenierung von „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ in den historischen Dorfbäck‑Stadl; flankiert von Kinderworkshops, Kabarett und Konzerten.
Nördlich des Inntals nutzen die Schlossbergspiele Rattenberg das Felsplateau über der kleinsten Stadt Österreichs: Premiere ist „Vollmond – Ein Land jagt den Wolf“, eine satirische Gegenwartsfarce von Markus Koschuh, gespielt unter freiem Himmel mit 700 Sitzplätzen.

Dazu kommen weitere Freiluft‑Highlights wie die Geierwally‑Freilichtbühne in Elbigenalp, Dorfplatz‑Inszenierungen von Volksbühnen Tux oder St. Johann und hunderte kleinere Dorfbühnen, die in Stadeln, Burghöfen oder Steinbrüchen spielen. Kulisse, Technik, Kostüme – fast alles entsteht in Handarbeit; Einnahmen werden meist in Vereinsheime oder Nachwuchskurse gesteckt. So bleiben Tirols Volksbühnen auch im 21. Jahrhundert das, was sie seit Generationen sind: ehrenamtliche Kulturmotoren, die den Sommerabend mit Dialekt, Witz und bisweilen scharfer Gesellschaftskritik beleben.

Almabtrieb
Der Almabtrieb markiert in Tirol das Ende eines jeden Almsommers und ist ein Fest voller Stolz, Tradition und Lebensfreude. Wenn die Tiere gesund von den Bergen zurück ins Tal kommen, werden sie mit bunten Blumen, Spiegeln und Glocken geschmückt. Musik, Marktstände und regionale Spezialitäten begleiten den Zug durch die Dörfer. Für viele ist der Almabtrieb ein Dank an die Natur und an ein gutes Jahr auf der Alm. Sozusagen ein lebendiges Symbol für Gemeinschaft, Handwerk und den Rhythmus des Lebens in den Bergen.

Törggelen
Törggelen ist ein Südtiroler Herbstbrauch. Der Name leitet sich von „Torggl“ (Weinpresse, lat. torculus) ab. Schon 1428 taucht in einer Terlaner Urkunde der Ausdruck „torkcheller“ für jungen, noch gärenden Wein auf.
Ursprünglich pilgerten Wirte und Städter erst nach der Lese zu den Winzern, um im Presshaus den „Nuien“ (neuen Wein) zu verkosten und seine Qualität zu prüfen. Spätestens seit Ludwig Steub das Ritual 1846 beschrieb, steht fest: Ohne frische Trauben, kein Törggelen. Das Zeitfenster reicht traditionell von Anfang Oktober bis rund um Martini, den 11. November. Alles, was früher beginnt, gilt als touristische Vorleistung.

Heute wandert man durch Kastanien‑ und Rebhänge zu einem Buschenschank, setzt sich in die Bauernstube und kostet zuerst „Siaßer“ oder „Sußer“ – süßen Traubenmost in seinen ersten Gärtagen – gefolgt vom halbvergorenen Nuien. Dazu kommen geröstete Kastanien (Keschtn), Nüsse und, je nach Wirt, süße Krapfen. Die herzhafte Seite reicht von Speck, Kaminwurzen und Roggenbrot bis zu deftigen Schlachtplatten mit Surfleisch, Sauerkraut, Blut‑ und Hauswürsten, Knödeln oder Erdäpfelblattlan. Alles soll möglichst aus eigener Produktion stammen; gepanschter Most oder laute Musik haben im ursprünglichen Rahmen nichts verloren.

Törggelen lebt von überschaubaren Runden und klaren Regeln: Erst zu Fuß den Hunger verdienen, dann in Ruhe genießen. Hochburgen sind das Eisacktal um Feldthurns, der Ritten bei Bozen, der Salten bei Jenesien sowie Völlan und der Tschögglberg oberhalb von Meran. An Herbstwochenenden sollte man reservieren – gute Buschenschänken haben nur wenige Tische. Wer authentisch törggeln will, fragt nach hausgemachtem Vernatsch, Speckbrett und Kastanien aus der eigenen Wiese; dann schmeckt der Spätherbst so unverfälscht wie vor 500 Jahren.

Krapfenschnapper
Beim Brauch des Krapfenschnappens ziehen in Osttirol und Teilen des Pustertals am Allerheiligen Jugendliche maskiert (weißes Hemd, Fellüberwurf, Hut) von Haus zu Haus, tragen eine Holzstange mit einem Tierkopf („Schnapper“) und erzeugen durch eine Schnur am Unterkiefer ein dumpfes Klappergeräusch. Als Dank für ihren Auftritt erhalten sie Krapfen, Süßigkeiten oder Geld. Der Brauch gilt nicht als klar heidnischer Totenkult, sondern vielmehr als ein Heischebrauch – also ein Erbitten von Gaben zu Gemeinschaftszwecken.

Weihnachten
Weihnachten in Tirol ist eine Zeit der Stille, des Lichts und der tief verwurzelten Bräuche. Der Duft von Räucherwerk, frischem Gebäck und Tannenzweigen erfüllt die Häuser, während draußen Schneeflocken lautlos fallen. In vielen Orten ziehen die Anklöpfler singend von Haus zu Haus, und handgeschnitzte Krippen erzählen von der Heiligen Nacht. Christkindlmärkte in Innsbruck, Hall oder Seefeld laden zum Bummeln ein. Überall glitzern Lichter, Bläser spielen vor Kirchen und Stuben, und überall liegt dieses besondere Gefühl von Geborgenheit in der Luft. Ob besinnliche Feiertage in den Alpen, Winterurlaub mit Familie oder romantisches Adventwochenende: Weihnachten in Tirol verbindet authentische Tradition mit echter Herzenswärme.

Jetzt Ticket buchen